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Feierabend | Lokführer Sedi  

Eine große Nummer

SV Siegfried ist bis zum Halbfinale Favorit

( 06.10.2006 )

Fast ehrfürchtig haben sie nach Schifferstadt, Köllerbach, Luckenwalde und früher einmal Aalen geblickt, wenn es wieder losging. Dieses Wochenende startet die Ringerbundesliga für den SV Siegfried Hallbergmoos und alles ist anders. Luckenwalde ist zwar eine andere Welt, aber den Rest nimmt man zur Kenntnis beim SV Siegfried. Aus dem Underdog, der die großen ab und an mal richtig nerven gekostet hatte, ist nun selber ein Großer geworden. Nur Luckenwalde ist noch eine Nummer zu groß. Alles andere ist machbar. Der Ex-Jäger ist nun der Gejagte.

In der Süd-Bundesliga sind mit Anger, Burghausen und Mömbris drei nicht ungefährliche Gegner. Jeder kann Hallbergmoos ärgern und jeder möchte es. Der SV Siegfried aber kann sich nicht gegen die Favoritenrolle wehren, weil man einfach der Vizemeister ist und den erheblich größeren Kader hat. Und es zählt nur Platz eins, damit man sich auch in der Zwischenrunde Luckenwalde ersparen kann. Ab heute ringt der Druck mit. Zehn Kämpfe in der Vorrunde gibt es und wenn Hallbergmoos zehnmal gewinnt, ist alles normal.

In der Zwischenrunde bleibt dann der Druck, denn von vier Teams kommt nur der Erste weiter ins Halbfinale. Auch da gilt: Alles außer Luckenwalde ist machbar. Somit sind die Siegfrieds in den 16 Kämpfen der Vor- und Zwischenrunde der Favorit. Es ändert sich psychologisch viel beim Ex-Favoritenschreck, aber beim Gegner ringt Respekt mit.

Nach der vergangenen Saison wurden Mitläufer wie die Apostolou-Brüder aus dem Kader gestrichen und Schwachpunkte durch Siegringer ersetzt. In fast allen Klassen ist man doppelt und dreifach stark besetzt. Mittendrin in der Weltauswahl mit 25 Ringern ist Tom Sedlmeier als der Einheimische Mit Stammplatzgarantie. In der vergangenen Saison hat sich der ortsansässige Publikumsliebling den Freifahrtschein erkämpft und nun ist er gleich die Achillesferse. 55 Kilogramm Freistil und Griechisch sind die beiden Gewichtsklassen, wo der Verein kaum Alternativen hat. „Wenn sich der Sedi verletzt“, sagt der Vorsitzende Sepp Niedermair, „dann hat der Verein ein Problem.“




Pack ma's, Buam Kim-Jussi Nurmela und seine Freunde beim SV Siegfried setzen zu neuen ringerischen Großtaten an.




Das war es dann aber auch mit den Problemen, denn Niedermair hatte in der Sommerpause eine angenehme Arbeit an der Vereinsspitze. „Das Produkt SV Siegfried ist sehr gut zu verkaufen“, sagt er. In der Hinterhand hat Niedermair neue Sponsoren, erhöhte Bezüge von Gönnern und auch die Tatsache, dass der SV Siegfried sich immer mehr zu einer der ersten Adressen für Top-Ringer entwickelt.

Dabei geht der Club weiter seinen selbst kreierten Weg, mit jungen hungrigen Talenten die Bundesliga aufzumischen. Die Taktik, den Konkurrenten mit dem dicken Geldbeutel die besten wegzukaufen, würde auch nicht funktionieren. Deshalb hat der SV Siegfried mit dem Finnen Kim-Jussi Nurmela und dem Litauer Mindaugas Mizgaitis seine Außenminister. Beide stehen als Weltklasseringer im Kader und kämpfen neben der Matte und hinter den Kulissen weiter für Hallbergmoos. Beide schauen bei internationalen Turnieren und Meisterschaften genau hin und haben einen Teil der Neuzugänge nach Bayern gelotst. Nurmela kümmert sich für die Skandinavien-Fraktion sogar um jegliche Form von Pass-Formalitäten. Dieses Engagement dürfte einmalig in der Bundesliga sein.

Dann wäre da ab heute noch die Frage der Auswirkungen durch den Trainerwechsel. Aus dem Erfolgs-Traumduo mit Kultfigur Sepp Fritsch und seinem Assistenten Christian Edfelder wurde ein Trio. Edfelder behält seine Aufgaben, Cheftrainer ist Mahmoud Karimi und dazu kommt Georg Schatz. Die beiden Neuen haben in den letzten Jahren viel bei der Jugend bewegt und registrierten zuletzt auch schon einen gewaltigen Leistungssprung bei den Jungen aus dem Ort. Das Ziel ist es ganz klar, weitere Sedlmeiers zu fördern. Dazu stellt sich noch die Frage, wie viel Fritsch denn nun in Karimi steckt. Scheinbar sehr viel. „Ich möchte einen Trainer in der Ecke haben, der mitkämpft“, sagt der Vorsitzende Sepp Niedermair. Und das bekam er zuletzt schon bei der zweiten Mannschaft zu sehen. Das Leben in der Hallberger Ecke bleibt. Bleiben nur noch die Fragen, ob Karimi bald wie Fritsch hüpft und ob der SV Siegfried wieder ins Finale kommt. Wenn man das Glanzstück von 2005/06 wiederholt, dann ist man endgültig der Club, zu dem Köllerbach, Schifferstadt und Aalen aufschauen müssen.

Nico Bauer




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