Ist die dritte Start- und Landebahn notwendig? Presseerklärung der Freien Wähler Hallbergmoos-Goldach
Zumindest die FMG behauptet dies. Als Beleg dafür führt sie Zahlen von Flugbewegungen an, die nicht übertroffen werden können. Der Gemeinderat Hallbergmoos hat dazu am 8. November letzten Jahres auf Antrag der Fraktion der Freien Wähler der dritten Start- und Landebahn eine eindeutige Absage erteilt – bei einer Gegenstimme. Gleichzeitig wurde die FMG um Beantwortung verschiedener Fragen gebeten. Daraus resultiert unter anderem folgende Aussage der FMG „für unser derzeitiges Zweibahnensystem rechnen wir mit einer maximal möglichen Jahreskapazität von 490.000 Bewegungen pro Jahr und 2010 wird das bereits hoch belastete Bahnsystem an seine absolute Grenze stoßen“.
Doch damit zu den Fakten, zu entnehmen dem von der FMG übersandten statistischem Jahresbericht 2004. Diese Jahresberichte finden sich auch auf der Homepage des munich-airport im Internet unter Daten und Fakten. Auf diese FMG-Zahlen beziehen sich die nachfolgenden Ausführungen. Laut FMG geht über 490.000 Flugbewegungen absolut nichts mehr. Legt man die 90 Flugbewegungen laut Sommerflugplan 2006 zu Grunde, ergibt dies bei 16 Stunden Tagflugbetrieb von 6 bis 22 Uhr 525.600 Flugbewegungen. Rechnet man noch die sogenannten Tagesrandzeiten von 5 bis 6 Uhr und von 22 bis 23.30 Uhr hinzu, im öffentlichen Sprachgebrauch als Nachtflug bezeichnet, kommt man bei 1680 Flugbewegungen im Dezember 2005 nochmals auf über 20.000 Flugbewegungen, also insgesamt über 545.000.
Noch interessanter wird es, wenn man die sogenannte Spitzenstundenkapazität zu Grunde legt, das ist die höchste erreichte Zahl an Flugbewegungen, die 2005 bei 117 Flugbewegungen pro Stunde lag und das bei einem Zweibahnensystem. Zur Erinnerung, die FMG möchte mit der dritten Start- und Landebahn eine Kapazität von mindestens 120 Flugbewegungen pro Stunde erreichen. Übrigens lag die sogenannte Spitzenstundenkapazität 1999 erst bei 91.
Legt man nun diese Spitzenstundenkapazität von 117 vom 14. April 2005 zu Grunde ergeben sich 683.280 Flugbewegungen und zusammen mit den Nachtflugbewegungen über 700.000 Flugbewegungen, die heute schon theoretisch machbar sind. Dabei ergeben sich selbstverständlich Verspätungen. Würde der Straßenbau – den täglichen oder urlaubsbedingten Kollaps kennen wir in unserer Region nur zu gut – auch nur annähernd so vorsorglich geplant – wäre die Münchner Ostumgehung schon mindestens fünfspurig.
Abschließend noch zu den Passagierzahlen, die 2005 bei 28,64 Millionen lagen. Davon sind 9,74 Mill Umsteiger, d.h. 4,87 Mill landen und starten sofort wieder, denn Umsteiger werden zweimal gezählt – nachzulesen im FMG-Jahresbericht unter Definitionen. 3,57 Mill oder 12,3 % sind Billigflieger, die überwiegend fliegen, weil es so billig ist.
Die Umsteiger – Tendenz steigend – können nicht und die Billigflieger werden aus Kostengründen nicht mit dem Transrapid fahren. Blieben 2005 noch 15,33 Millionen potentielle Kunden für den Transrapid, von denen aber nur 33% die S-Bahn benutzen, also 5,06 Millionen und diese fahren alle vom Münchner Hauptbahnhof ab. Über diese offiziellen Zahlen sollten wir nachdenken, genauso über die Tatsache, dass Kerosin nach wie vor nicht besteuert ist und die bayerische Staatsregierung als Mehrheitsgesellschafter nach wie vor an der Bezuschussung bei Flügen über 5 Stunden Dauer festhält. Dass die Bundesbahn für den Einsatz der Bundespolizei bezahlen muss, die FMG aber nicht erscheint genauso anachronistisch wie die Tatsache, dass die Bahn für innereuropäische Fahrkarten Mehrwertsteuer bezahlt, der Luftverkehr aber nicht.
Karl-Heinz Zenker Fraktionssprecher
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